Genieß die Zeit

Ich kenne keinen einzigen Menschen, der die Zeit wirklich zurück drehen möchte, denn den Menschen ist bewusst, dass sie nicht zu denen geworden wären, die sie jetzt sind, wenn die Vergangenheit anders verlaufen wäre. Aber ich möchte die Zeit zurück drehen, nur um sie noch einmal zu genießen.
Gestern bin ich durch meine Bilder gegangen und habe gesehen, wie ich als Schwangere ausgesehen habe, wie mein Sohn aussah, als er geboren wurde, wie rasant er sich verändert hat und gewachsen ist und neue Dinge erlernt hat. Er ist noch immer so klein und lernt täglich Neues dazu, aber ich wünschte ich hätte die Zeit damals mehr genossen.
1-Monat-nach-GeburtUnd obwohl mir das von so vielen Müttern gesagt wurde, habe ich nur gedacht:“Wie soll ich die Zeit genießen, wenn mir alles weh tut, ich bei der kleinsten Kleinigkeit anfangen muss zu weinen, wenn ich seit Monaten nicht richtig geschlafen habe und ständig jemand an mir klebt?!“ Aber genau das sollte man genießen! Nie, nie wieder wird die Mutter-Kind-Bindung so intensiv sein wie in den ersten Monaten. Nie wieder wird dein Baby so zufrieden, so lange auf deinem Arm bleiben und kuscheln wollen.
Ich erinnere mich noch, wie ich mir gewünscht habe, dass die ersten drei Monate endlich vorbei gehen, damit die Koliken ein Ende haben, statt mich auf die tollen Momente zu besinnen – ist das nicht grausam? Als ich mir gestern die Bilder von meinem Fratz angesehen habe, wunderte ich mich darüber, wie viele Fotos es gibt auf denen er nicht schreit. Ich hatte das Gefühl, er würde ständig schreien.
2-Monate-nach-GeburtUnd wie toll war die Schwangerschaft?! Ja, sie war auch nicht leicht und mir ging es deutlich öfter schlecht, als ich es je jemandem erzählt habe, und ich machte mir deutlich mehr Sorgen, als ich es je hätte tun sollen (wie ich mich kenne, werde ich mich auch genau so sehr beim zweiten, dritte oder gar fünften Kind sorgen – wenn nicht sogar mehr), aber da wächst ein Baby in mir:
26-SSWEin richtiges Baby, mit zwei kleinen süßen Ärmchen, zwei starken Beinchen, zehn Zehen und zehn Fingern, mit den süßesten, tollsten Augen, die ich je gesehen habe und einem kleinen, niedlichen Näschen, welches beim Weinen sogar noch viel putziger wird, wie ein kleines rotes Knöpfchen. Dieses Geschöpf war damals im Bauch drin! Ich spürte seine Bewegungen und wusste immer, dass er ein starkes Kind wird.
28-SSWLustige Nebengeschichte: Im letzten Schwangerschaftsdrittel, beim Yoga, lagen meine Füße auf einem Gymnastikball, mein Oberkörper auf der Matte und ich bildete mit meinem Körper eine Gerade – wisst ihr, was ich meine? So schräg eben. Da trat mich der kleine Fratz so doll von innen, dass ich die Haltung verlor und umkippte! Klar ging es darum das Gleichgewicht zu halten und ich wusste natürlich, was passiert war, aber wie bescheuert muss es für die anderen ausgesehen haben – plötzlich fällt die einfach um.
Also auf jeden Fall hatte ich eine schöne Schwangerschaft – bis auf die ewige Übelkeit.

Ich vermisse diese Zeit, aber ich möchte nicht so bald wieder schwanger werden. Erst möchte ich noch jeden Augenblick genießen, den ich mit meinem Kleinkind erleben darf. So lange er noch so gern an mir klebt und mich noch so bedingungslos liebt und meine Hilfe braucht. Wenn er dann 13 ist, kann ich ja über ein Zweites nachdenken 😉

Genießt die Zeit. Unbedingt! Unabhängig von den Sorgen und den Ängsten, unabhängig von den Schmerzen und Gefühlsschwankungen. Genießt sie, denn sie kehrt nie wieder zurück.

Ein Gedanke zu „Genieß die Zeit

  1. elennur

    Sooo schön geschrieben, wahrscheinlich von vielen Müttern aus der Seele. Ja die Zeit zurückdrehen, um alles noch einmal zu erleben. Was würde man dafür nicht geben..
    was würde man dafür nicht geben…..

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